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Kirche der neuen Pfarrgemeinde St. Dionysius Kerken

Im Jahre 1483 hatte Thomas Heym, ein hoher Beamter des Herzogs von Geldern  Sophia von Steynden geheiratet und den Grundstein für die erste Stendener Kapelle gelegt, die sie aus eigenen Mitteln bauten. Sie weihten diese Kapelle zu Ehren des Stifters dem hl. Thomas und der hl. Magdalena, der Patronin von Geldern. Letztwillig fügten die Eheleute noch ein Familienbenefizium hinzu (Testament von 1498, dies befindet sich im Pfarrarchiv von Aldekerk, Urkunde 17, vergl. auch Urkunde 20), d.h., sie stifteten der Kapelle einige Morgen Land „zur Nutzung durch den Priester, der die Kapelle bedient und er soll wöchentlich eine hl. Messe lesen". Ihren Standort hatte die Kapelle gegenüber dem Wohnhaus von Thomas Heym nahe dem Gelände des jetzigen Friedhofs. Über die Geschichte der Kapelle wurde in einem ausführlichen Artikel in der „DOMGLOCKE", Osterausgabe 1996, berichtet, der auf   Aufzeichnungen von Hubert Große- Osterholt, Kaplan in Aldekerk von 1928-1938, sowie auf einen Aufsatz von Lehrer Heinrich Sommer aus Nieukerk zurückgeht. Interessant  ist allerdings,  dass Heinrich  Sommer in einem   1958 erschienenen Beitrag     im  Gelderschen Heimatkalender „zum 300. Jubelfest der St. Thomas-Schützenbruderschaft Stenden „ eine Urkunde aus dem bischöflichen Archiv zu Roermond anführt, aus der hervorgeht, dass am 7. Mai 1667 der Bischof von Roermond die Kapelle von Stenden besucht hat, die den Titel St. Antonius führt. Danach könnte der eigentliche und ursprüngliche Patron der hl. Antonius gewesen sein.

Heinrich Sommer begründet dies plausibel damit, dass nach den wirtschaftlichen Verhältnissen St. Antonius insofern der gegebene Patron für die Bauernschaft Stenden war, da dieser Heilige hier ringsherum zuhause war. Er wurde allgemein als der Beschützer des Viehs in der gesamten Vogtei Geldern und darüber hinaus verehrt. Es ist auch interessant, dass im Jahre 1650 für Stenden noch eine St. Antonius-Bruderschaft urkundlich erwähnt wird. Allerdings beweist ein anderer Hinweis einen Wechsel im Patrozinium der Kapelle (Staatsarchiv zu Düsseldorf), nämlich dass im Jahre 1657 ein St. Thomas-Junggesellenschützenverein genannt wird.

 Die Frage ist: Führte die Stendener Kapelle - ob offiziell oder nicht offiziell - womöglich den Titel St. Antonius als Nebentitel vor dem Haupttitel St. Thomas? Damit mögen sich zukünftige Historiker beschäftigen.

1536 wurde der Turm der Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen und von Grund auf in Stein und Holz neu errichtet. 1620 wurden durch die Wirren des 30jährigen Krieges bedingt, das Dach und der Altar erneuert. Durch die Säkularisation in der Folge der Französischen Revolution 1789 und der Napoleonischen Kriege wurde die alte Stiftung von Thomas Heym aufgehoben, das zur Kapelle gehörige Land eingezogen und später verkauft, so der Hof op den Dreven in 1811. Dieser wurde 1820 zurückgekauft mit Mitteln aus der Rückerstattung durch die Staatskasse. Die Kapelle selbst blieb im Status einer Hilfskapelle der Gemeinde erhalten.

 1826 begann man mit dem Neubau einer Kapelle nach den Plänen des Krefelder Bauunternehmers Omsels. Der Bau wird als ein „nüchterner Backsteinbau" bezeichnet, „mit flacher Decke, an jeder Seite drei rundbogige Fenster, auf dem Satteldach ein hölzerner Dachreiter"

Kirchlich gehörte Stenden seit 1483 zu Aldekerk, Die ganze Vogtei Geldern hatte ursprünglich überhaupt nur zwei Pfarreien: Aldekerk und Nieukerk. Es sollte noch über 400 Jahre seitdem dauern, bis nach zeitweise erbittert geführten Selbständigkeitsbestrebungen der Bürger im Dezember des Jahres 1858 Stenden von Aldekerk getrennt und zur selbständigen Pfarrei wurde. Die Stendener Kapelle wurde damit zur Pfarrkirche erhoben. Der Bau wurde 1906 wegen Baufälligkeit abgetragen. Auf dem Kirchplatz, umsäumt vom heutigen „Dom", dem Friedhof, dem Pastorat und der alten Schule erinnert ein schlichtes Denkmal an die Jahrhunderte, in denen hier der Altar der Kapelle gestanden hat.

DER BAU DER NEUEN PFARRKIRCHE

Der Beschluss zum Bau der neuen St. Thomas-Kirche  wurde am 24. Mai 1900 gefasst.
Nachdem also die Baupläne genehmigt waren, wurde das Bauunternehmen J. Pegels und Pervers aus Kempen mit der Ausführung beauftragt.
Der kreuzförmige Backsteinbau  zeigt vorwiegend romanische Stilelemente. Einige Details sind der frühen Gotik entnommen.

An das zweieinhalbjochige Längsschiff schließt sich ein Querhaus mit Vierungsturm an, auf das ein querrechteckiges Chorjoch mit Halbkreisapsis folgt. Zwischen Querhaus und Chorjoch befinden sich kleine Sakristeien mit Satteldächern. Die Westfassade mit dem Hauptportal, der Kombination von Rundbogenfries und Blendgalerie, sowie betonten mittleren Fenstern ist aufwendig gestaltetes. Abb. Deckblatt)

Man beachte, dass sich ursprünglich über der Westfassade ein Glockentürmchen befand, das später abgebaut wurde. Das Geläut ist heute unter dem vorderen Kirchendach untergebracht.

Entsprechend reiche Bauformen finden sich an der Ostpartie, insbesondere an der Apsis und an dem achteckigen, durch ein Faltdach gedeckten Vierungsturm.

Manch ein Besucher, der die Stendener Kirche heute sieht, wird sich fragen, wie ein so kleines Dorf an ein solch verhältnismäßig großes Gotteshaus kommt. Nach mündlicher Überlieferung sollten ursprünglich an das Längsschiff der Kirche jeweils links und rechts noch Seitenschiffe angebaut werden, wie es der Architekt Rüdell z.B. an der St. Peter-Kirche in Sinzig am Rhein geschaffen hatte. Man hatte nämlich damals daran gedacht, dass bei Stenden in nächster Zeit ein Steinkohlebergwerk mit Bergmannssiedlung und entsprechendem Bevölkerungszuwachs entstehen würde. Dies hätte auch ein größeres Kirchengebäude erfordert. Der Schacht der Zeche Niederberg wurde jedoch in Neukirchen (Dickscheheide) bzw. in Tönisberg abgeteuft. Somit unterblieb der Seitenschiffanbau, die Kirche dennoch eine beachtliche Größe aufweist. Bereits 1920 mussten aber im Längsschiff zwischen den Seitenwänden Stahlanker eingezogen werden, um den verstärkten Druck des Gewölbes wegen der fehlenden Seitenschiffe aufzufangen.

Dem Stil der äußeren Architektur ist die Ausstattung im Inneren weitgehend angepasst.

Die bald nach der Fertigstellung der Kirche ausgeführte innere Baufassung und die figürlichen Malereien im Chor wurden in den Jahren 1977/78 aufgedeckt und durch den Kunstmaler H.M. Bongartz aus Issum restauriert.

Dabei wurde auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Schmuckformen im Lang- und Querhaus verzichtet. Hier handelte es sich insbesondere um Teppichmalereien in der Sockelzone, ornamentierte Bänder an den Fensterrändern und an den Gewölbegliedern sowie um Darstellungen der von Medaillons umfassten Halbfiguren der Kirchenväter oberhalb der Vierungsbögen.

 

Zu den weißen Wand- und Gewölbeflächen im Längsschiff und Querhaus bilden die in grau gehaltenen tragenden Architekturteile mit ihren roten Fugenstrichen auf weißem Grund einen lebhaften Kontrast. An den Wänden im Chorjoch befinden sich unter ornamentierten Arkaden die Darstellungen der Heiligen Thomas von Aquin, Alphons, Paschalis, Juliana, Barbara und Katharina von Siena. Die Teppichmalerei in der Sockelzone in der Apsis imitiert mit dem Motiv von Lotospalmetten zwischen Vogelpaaren mittelalterliche Seidengewebe aus dem toskanischen Lucca.

Zwischen den Fenstern der von dem Kevelaerer Maler Gerhard Schoofs.

In der Apsis stehen die vier Evangelisten. In der Kuppel befindet sich die Darstellung des letzten Gerichts mit Johannes dem Täufer und Maria als Bittflehende.

Die Glasmalereien in den drei Fenstern der Apsis zeigen die Geheimnisse des freudenreichen, des schmerzhaften und des glorreichen Rosenkranzes. Die Fenster wurden 1906 durch den Kirchenvorstand genehmigt und von der Glasmalerei Derix aus Kevelaer ausgeführt.

Der Hochaltar in Eiche, teilweise vergoldet und farbig gefasst, wurde 1901 an den Bildhauer H. Voß, Emmerich, in Auftrag gegeben und ein Jahr später aufgestellt. Schon 1908 erfolgte eine von der  Familie  Opdemom  gestiftete  Renovierung  durch  die  Brüder Tenelsen, Krefeld. Aus diesem Jahr stammen auch die signierten und datierten Flügelmalereien.


Die vierzehn Stationen des Kreuzweges aus farbig gefassten Gips, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, sind zu jeweils vier Reliefs unter Rundbogenarkaden in die Wände des Längsschiffes eingelassen. Eine Restaurierung der Fassung erfolgte vor einigen Jahren.

                                                           

Seit dem 3. Juli 1983 befindet sich gleichsam als Ergänzung zu der neugotischen Muttergottes-Statue auf der linken Seite vor der Apsis

auf der rechten Seite die Statue des Apostels und Stendener Schutzheiligen St. Thomas

An diesem Tage jährte sich  zum 500. Male der Weihetag der ersten Kapelle in Stenden. Pfarrer Fritz Mentzel hatte die Statue am Tag zuvor in München abgeholt. Geschnitzt wurde sie nach einem Entwurf der Münchner Kunstwerkstätten Carl Ludwig von einem Bildhauer in Südtirol. Finanziert wurde die Statue durch Spenden aus der Kirchengemeinde wie überhaupt vieles in der neueren Vergangenheit in Stenden durch materielle und arbeitsmäßige Hilfe ermöglicht wurde: so beispielsweise die Gestaltung des Platzes um die Kirche, die Instandsetzung und Erweiterung des Friedhofs, der Bau der Friedhofskapelle oder die Renovierung der Glockenanlage. Im Jahre 1863 hatte die Pfarrgemeinde eine alte Orgel aus der Barockzeit erworben.
Diese wurde 1746 von Peter Weidtman junior (1698-1753) aus Ratingen ursprünglich für die reformierte Kirche in Vluyn gebaut. Dort hat sie sechszehn Jahre ihren Dienst getan bis sie nach Stenden verkauft wurde. Die Orgel wurde von Orgelbauer Wilhelm Rütter aus Kevelaer zunächst in der damals noch "bestehenden alten Kirche aufgestellt. 1903 wurde sie durch Sohn Julius Rütter in die neue Kirche eingesetzt. Im Laufe der Jahre haben verschiedene Firmen die Orgel gewartet, u.a.bemühte sich ein Orgelbaumeister aus Ubach-Palenberg (Kreis Heinsberg), das Instrument spielfähig zu halten. Ihm erteilte 1979 der Kirchenvorstand den Auftrag, das Instrument zu renovieren und zu einem anspruchsvollen Orgelwerk zu erweitern.
Am 2. Oktober 1982 konnte die quasi neue Orgel feierlich eingeweiht werden. Sie bietet für die Interpretation von Orgelmusik aus allen Stilepochen optimale Möglichkeiten, wie dies von namhaften Orgelmusikern festgestellt wird.

Im Jahre 1986 kannte auf Initiative von Pfarrer Mentzel auch der neue Zelebrationsaltar an der Stelle des bisherigen Provisoriums aufgestellt werden. Zugleich wurde ein neuer Ambo, Priestersessel, Taufbecken und Osterkerzenhalter aufgestellt. Alle diese Werke im modernen Stil, gefertigt aus Bronzeguss, wurden von dem Issumer Künstler Reinhard Bongartz entworfen.

Die Einweihung des neuen Zelebrationsaltars erfolgte am 28.2.1999, einem auch insofern besonderen Festtag als der Bischof von Roermond, Frans Wiertz , zu Besuch in Stenden war. Da die Pfarrei zusammen mit Aldekerk ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur französischen Revolution in 1789 rund 200 Jahre Teil des Bistums Roermond war, lud sie, um an diese Tradition anzuknüpfen , Bischof Wiertz zur Weihe des Altars ein. Pfarrer Josef Wilmsen aus Aldekerk und Alois Bimczok, Pfarrer von Tönisberg und Pfarrverwalter von Stenden assistierten als Konzelebranten.

Kirche der neuen Pfarrgemeinde St. Dionysius Kerken

st.dionysiusUm die Bedeutung und den Charakter unserer Kirche darstellen zu können ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig. Es wird vermutet, dass in Nieukerk um 800 die erste Kirche gebaut wurde. Dies ist jedoch historisch und baulich nicht gesichert. Als Altarstein wurde ein römischer Votivstein verwendet, der heute in unserer Kirchenmauer eingelassen ist. Er trägt in lateinischer Sprache die Inschrift: "Dem Heile des Kaiser Caesar Marcus Aurelius und Antonius Augustus des Guten ... der Legat Augustus ... von der 1. minervischen Legion." Und eine querlaufende christliche Inschrift lautet: "... in den Kalenden des Oktober ist der Altar dem Hl. Dionysius geweiht."

Im Jahr 1218 taucht in einer Urkunde erstmals der Name "nova ecclesia", "neue Kirche", auf, dieser gab dem Dorf dann auch den Namen.

Das romanische Gotteshaus entstand in erstaunlicher Größe um 1150. Die Gotisierung wurde mit dem Chor 1421 begonnen und bis zum Jahre 1453 vollendet. Unsere Kirche bekam so fast die heutige Gestalt. Es folgten nur unwesentliche Änderungen bis 1899, diese hauptsächlich Backsteinbauten. Viele harte Schicksale haben Kirche und Dorf im Laufe der Jahrhunderte erlebt. 1591 stürtzte zum Beispiel der Turm infolge eines schweren Unwetters ein und beschädigte die Kirche schwer, im 30jährigen Krieg waren mehrfach "die unglücklichen Bürger genötigt, in der Kirche gemeinschaftlich Obdach zu suchen und zu wohnen" (Chronik), im Jahre 1680 brannte wieder der Turm, damals der höchste im Bistum Roermond, nach einem Blitzschlag vollständig aus. Danach wurde der heute noch stehende eindrucksvolle Barockturmhelm errichtet, der das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes Nieukerk ist. Aus dieser Zeit stammen auch die Kirchenbänke und die Kommunionbank.
Die Nieukerker haben ihr Gotteshaus immer wieder erneuert und daran weitergebaut.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die beiden Seitenkapellen, zwischen 1870 und 1881 der Hochaltar,

                                                

die Seitenaltäre, die Kanzel,


der Beichtstuhl und das Chorgestühl.
Von der Kanzel aus wurden früher die Predigten gehalten. Der Baldachin diente dabei als Schalldeckel, damit jeder in der Kirche die Predigten verstehen konnte. Mittig unter dem Baldachin ist der Hl. Geist als Freidentaube zu sehen.
An der Kanzel selbst sind die vier Evangelisten abgebildet.

Die Wurzel Jesse aus Gold, Kupfer und Messing gefertigt, stellt die Geburt des Herrn als Mittelpunkt zwischen der alttestamlichen Sehnsucht nach dem Kommen des Erlösers und der neutestamentlichen Erwartung des widerkommenden Gottessohnes dar.

Man sieht einen Menschen, dessen Arme sich als Zwiege aubilden und in denen sich als  Früchte die Personen und Szenen aus der Bibel wiedererkennen lassen.
Dieser Mensch ist Isai oder Jesse, der Vater von König David. So ist die Darstellung auch gelichsam ein Stammbaum des Alten Testamentes und unseres Glaubens.
In der Mitte des Baumes sieht man die Geburt Jesu. Diese Darstellung ist fest verwachsen mit der darüberliegenden Kreuzigungsszene, Anfang und Ende des Lebens von Jesus.

Im oberen Teil sehen wir Gott Vater mit seinem Sohn auf dem Schoß, der die Weltkugel in seiner linken Hand hält. Darüber Seraph und Kerub, zwei geflügelte Engel.

Die Pieta  geschnitzt aus Pappelholz stammt etwa aus dem 16. Jh.

Ein gründlicher Renovierungsprozess von 1960 bis 1981 beseitigte alle Schäden des letzten Krieges. Bemerkenswert ist auch das Verzeichnis der Pfarrer von Nieukerk seit 1218, das im Chor der Kirche in Marmorplatten eingelassen ist. Eine alte Erzählung meint, wenn die letzte Tafel beschriftet wär, würde die Welt untergehen.

                                  

Die Dionysiuskirche ist so der Ort der Sammlung und der Ort der Sendung, Ort der Begegnung mit Gott, besonders in den Sakramenten und im Wort.

Pfarrkirche der neuen Pfarrgemeinde St. Dionysius Kerken

Diese Kirche, die mit ihrem Namen auch das Dorf benennt, ist in ihrem Innern wie die Blüte einer Seerose, die in ihrer wundersamen Pracht eigentlich nur Weniges darstellt auf dem schwimmenden Blattwerk an der Wasseroberfläche, verglichen mit ihrem gewaltigen Schlingenwerk in Wasser und Schlammboden.
Wer diese Kirche besucht und ihr Inneres mit suchendem Blick, mit aufgeschlossener Seele betrachtet, entdeckt die Formenpracht und Fülle der Elemente dieser wunderschönen Blüte. Werden im Auf-bau dieses Gotteshauses in heutiger Gestalt Stiel und schützendes Blattwerk sichtbar, so zeigt sich die grandiose Fülle ihrer Blütenpracht in ihren Altären, Figuren, Glasfenstern, Wandbildern und Gewölbeausmalungen, in Orgel, Kanzel und in der ganzen funktionalen Ausstattung.

Josef Wilmsen, Pfarrer in Aldekerk von 1972 bis 2001

1067 wird in einer Urkunde eine „ecclesia in gelre„ erwähnt, die sowohl Aldekerk als auch Nieukerk für sich beanspruchen. Eine ecclesia antiqua (ALDE KERK) wird zum ersten Mal 1218 erwähnt. Im Jahr 1218 erhält die Aldekerker Kirche das Tauf- und Begräbnisrecht. Spätestens seit 1274 ist sie mit der Ernennung eines eigenen Pfarrers und der Festlegung der Pfarrgrenzen selbständig. Seit 1821 gehört sie zum Bistum Münster.
Der heutige Kirchenbau geht auf eine Kirche des frühen 15. Jahrhunderts zurück, die in den folgenden Jahrhunderten mehrfach zerstört und wiederaufgebaut wurde.
Die im Kern spätgotische Kirche besitzt aufgrund einer ab 1863 durchgeführten, umfassenden Restaurierung und einer Erweiterung um ein Joch mit dem Kirchturm (1890) ein unverkennbar neugotisches Erscheinungsbild.

Die Ausstattung wird von führenden Künstlern der Neugotik geschaffen. Die großformatigen Gewölbe- und Wand- sowie die dezenten Rankenmalereien stammen von J. Rensing (1875) und insbesondere dem Stummelschüler Gerh. Lamers (1909-1914) und erstrecken sich nahezu über den gesamten Innenraum, wobei der Chorraum besonders aufwendig dekoriert wurde.

Die Fenster 1905/14 (W. Derrix, Glasmalerei) und Friedr. Stummel (Entwürfe) ergänzen das gemalte Bildprogramm und sind in ihrer Farbgebung und Leuchtkraft beeindruckend.
Im 2. Weltkrieg bleibt das Dorf Aldekerk nahezu von großer Zerstörung verschont, die Kirche unbeschädigt.

Von 1975 bis 1977 wird das Innere der Kirche völlig renoviert. Sie erhält einen neuen Anstrich, die Ausmalungen werden wieder hervorgeholt (1956 waren Wände und Ausmalungen weiß überstrichen worden).
U.a. werden der Zelebrationsaltar nebst Ambo und Priestersitz vom Künstlerehepaar
Kubach-Wilmsen aufgestellt, eine neue Heizungsanlage wird installiert und eine neue Orgel eingebaut.
Bei einem Krippenbrand 1989 werden Kirche und Kunstwerke beschädigt und rußbe-schmutzt, doch können alle Schäden behoben werden.
Die neugotischen Altäre, Haupt-, Marien- und Annaaltar, werden nach dem Vorbild spätmit-telalterlicher Schnitzaltäre geschaffen.

Den Hauptaltar fertigen 1905 die niederrheinischen Künstler Gebr. Tenelsen, H. Brey, H. Holtmann.

Ist der Altar geöffnet, veranschaulicht er das Kreuzopfer Christi. Bei geschlossenem Altar zeigen Bildtafeln das dreifache Amt Christi: Lehramt, Hirtenamt und Priesteramt. Die Fenster zeigen die Darstellung der von Heiligen verehrten Dreifaltigkeit.

Im Marienaltar (F.Perey, Kempen, 1881) steht herausgehoben die Gottesmutter mit dem Kind. Die Innenfelder enthalten Relief-Darstellungen aus dem Marienleben.
Die Flügelbilder bei geschlossenem Altar zeigen die Darstellung im Tempel sowie eine Szene der hl. Familie
(H. Holtmann).
Die Malerei und die Fenster im Marienchor sind auf das Marienthema abgestimmt.

 
Der Annaaltar wird 1888 von dem Bildschnitzer Ferdinand Langenberg (Goch), der auch das Rosenkranzaltärchen (1. Pfeiler rechts) schuf, angefertigt und 1912 von Peter Jansen vergoldet und bemalt.
Im Mittelpunkt steht die Darstellung der Anna Selbdritt. Die Flügelbilder mit Szenen aus dem Leben der Eltern Mariens malte Friedr. Stummel. Über dem Altar ist der Stammbaum Jesu (Wurzel Jesse) zu sehen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der älteste Gegenstand, der Taufstein, stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde wohl aufgestellt, als Aldekerk 1218 das Taufrecht zugesprochen wurde.
Das achteckige Taufbecken aus Blaustein wird getragen von vier auf dem Rücken liegenden Schweinen (Symbole des Unreinen).

Das Chorgestühl im Ursprung als „Singebank„ aufgestellt und die Kanzel stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Die 14 Kreuzwegstationen im Nazarener-Stil (Öl auf Kupfer, etwa 1910) stammen aus der Schule Fr. Stummel.
Die Pfeilerfiguren im Mittelschiff (Pfarrpatrone und Evangelisten) sowie die in den Seitenschiffen (Namenspatrone der Bruderschaften und Vereine) sind aus dem 17./18. Jahrhundert.

Der Marienleuchter wird 1863 vom Gold-schmied Hellner aus Kempen geschaf-fen. Die acht Kronleuchter entstehen 1907 in der Schmiedewerkstatt van Gem-mern aus Aldekerk
Der meist original erhaltene Fußboden (Platten von Villeroy & Boch) wird 1904 verlegt.

Eine 1869 vom Orgelbauer Rütter (Kevelaer) aufgestellte Orgel wird bei der Innenrenovierung im Jahr 1977 von der Werkstatt Speith aus Rietberg nach einem von Heinz van Hall und Heinz Brauers entworfenen Orgelprospekt erneuert und erweitert.

Die dreimanualige Orgel hat 42 Register mit ca. 3000 Pfeifen und eine elektronische Spiel- und Registertraktur. 2009 konnte die Orgel um ein spanisches Trompetenwerk ergänzt werden.

4 eiserne Glocken hängen seit 1949 im Turm der Kirche, nachdem die alten aus Bronze 1942 zu Kriegsmaterial umgegossen wurden: die Peter- und- Paul- Glocke (1900 kg), die Marienglocke(1600 kg), die Michael- Glocke(1300 kg) und die Joseph- Glocke(1000 kg).

Quelle: Kirchenführer erstellt von Heinz Brauers u. Manfred Körfer

 

 

 

 

Nachfolgend werden hier noch einige Aufnahmen gezeigt, die von C. Kutasi aufgenommen wurden. Die Aufnahmen wechseln ggf. nach Jahreszeit.

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St. Peter und Paul Aldekerk  

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St. Dionysius Nieukerk

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St. Thomas Stenden

Bilder von Werner Hoever 177 - Kopie

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